Wanderung mit dem Krefelder Oberbürgermeister

140 Bürger haben an der elften Wanderung mit Oberbürgermeister Gregor Kathstede teilgenommen. Diesmal ging es durch den Forstwald. Kathstede hatte in Theo Malschützky vom Fachbereich Grünflächen einen „echten“ Experten vom Fach dabei. „Es ist leider meine letzte Wanderung als Oberbürgermeister. Ich muss Ihnen sagen, dass es mir immer sehr viel Freude bereitet hat, mit Ihnen durch die Krefelder Natur zu wandern“, so der scheidende Oberbürgermeister, der unterwegs viele Gespräche mit Bürgern führte. Die Teilnehmer erfuhren derweil, dass der Forstwald auf den Kaufmann Gerhard Schumacher zurückgeht. Er ließ im Jahre 1830 einen Landschaftspark anlegen. Das Forsthaus, an dem sich die Wandergruppe traf, bildet seitdem das Zentrum des umliegenden Waldes, von strahlenförmigen Alleen umgeben. Nachdem die Wanderer sich das Wildgehege am Forsthaus angesehen hatten, ging es auf einer dieser Alleen Richtung Hückelsmay. „Wir sorgen mit Neupflanzungen dafür, dass diese Alleen auch Jahre nach ihrer Schaffung herausstechen“, so Malschützky. Auf dem Weg zur ehemaligen Zollstation der Familie Hückels passierte die Gruppe auch ein Kreuz. Malschützky: „Hier halten Pilger auf dem Weg von Köln nach Kevelaer inne.“ Ins Auge fallen an dieser Stelle auch die Gräben, die den Forstwald durchziehen. Reste der ehemaligen Landwehr, wie Malschützky erklärte. Sie wurde um das Jahr 1350 auf Betreiben des Kölner Kurfürsten zwischen den Ämtern Kempen und Linn angelegt und sollte vor marodierenden Räuberbanden schützen. Im Forstwald lag zwischen den Hauptwällen und -gräben ein Höhenunterschied von fünf Metern. „Alles per Hand ausgebuddelt. Auf den Wällen war eine dichte Bepflanzung mit Dornenbüschen, die das Durchdringen verhindern sollte“, so der der Wander-Führer. Er erinnerte in dem Zusammenhang auch an die beiden blutigen Schlachten, die hier einst tobten. „Früher war das hier alles Heide, von Wald keine Spur. Das eignete sich gut zum Aufmarschieren. Und die Feldherren glaubten, dass die Landwehr ihnen Schutz bieten würde. Sie sollten sich irren.“ Während des Hessenkriegs im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) hatte sich der kaiserliche General Lamboy mit seinem 9000 Mann starken Heer in der „Schlacht an der Hückelsmay“ (1642) hinter der Wehr verschanzt, wurde jedoch vom französischen General Jean Guebriant mit gleicher Truppengröße geschlagen. Die zweite Schlacht, die „Schlacht von Krefeld“ am 23. Juni 1758 sollte weitaus blutiger ausgehen. Der preußische Prinz Ferdinand zwang mit seinen 32 000 Soldaten das französische Heer, bestehend aus 47 000 Mann, in die Knie. Diesmal hatte der französische Heerführer Clermont die Landwehr als Verteidigung gewählt. Ferdinand fiel ihm und dem sehr viel größeren Heer jedoch in den Rücken und konnte den Sieg erringen. „Ein Denkmal an der B57 erinnert an die Schlacht mit 5700 Toten“, so Malschützky, der die Gruppe nun parallel der Bundesstraße und über den Bosseljonweg zu einer Blühwiese am Rande des Waldes führte. Landwirt Heinz-Albert Schmitz, der ebenfalls mit wanderte, hat hier auf seinem Feld einen solchen Streifen angelegt. Er ist Teil einer Kooperation mit den Stadtwerken zum Grundwasserschutz. Nun war es nicht mehr weit. Vorbei am Betriebshof des Fachbereichs Grünflächen, dessen Gebäude noch von der wehrmachtähnlichen „Organisation Todt“ stammen, wanderte die Gruppe zur Grundschule Bellenweg. Hier warteten schon kühle Getränke und ein kleiner Imbiss auf die Wanderer.

07.08.2015