Polizeipräsident im CDU-Kreisvorstand: „Vergessene Kriminalität in den Blick nehmen“

 

 

Krefelds Polizeipräsident Rainer Furth hat sich in einem Vortrag vor dem CDU-Kreisvorstand dafür stark gemacht, so genannte „vergessene Kriminalität“ stärker in den Blick zu nehmen. Es werde viel über Themen wie Wohnungseinbrüche, Gewaltverbrechen auf der Straße oder Drogenhandel auf öffentlichen Plätzen diskutiert. Daneben gebe es jedoch „in erheblichem Umfang andere Formen von Kriminalität, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen“.

 

Furth verwies darauf, dass die „offen sichtbare Prostitution im Bereich Ritterstraße“ in aller Munde sei, über das „viel massivere Problem“ der Wohnungsbordelle zwischen Alter Linner Straße und Seidenstraße werde dagegen „kaum geredet“. Prostitution sei „überwiegend menschenunwürdig“ und ihre Legalisierung „ein schwerer Fehler“ gewesen, so Furth. Gleichwohl gebe es Eingriffsmöglichkeiten der Kommune, beispielsweise über das Baurecht und das Gewerberecht. Hier sei es auch durchaus möglich, durch zusätzliche Kontrollen erhebliche Einnahmen für den Stadtetat zu erzielen.

 

Als weiteres Beispiel für ein Thema, das „viel zu wenig auf der Agenda“ stehe, nannte der Präsident Fahrerfluchten nach Verkehrsunfällen. In 1.600 Fällen im letzten Jahr sei zwar niemand körperlich zu Schaden gekommen, gleichwohl sei ein solches Verhalten sozialschädlich und finde zu wenig Beachtung in der öffentlichen Wahrnehmung. Auch wenn die Anzahl der Verkehrsunfälle 2015 (8.460) gestiegen sei im Vergleich zum Vorjahr (2014: 7.914), so betonte Furth die gute Entwicklung bei den Kinderunfällen. Die kontinuierliche Senkung der Kinderunfälle (85 im Jahr 2015) sei auf die erfolgreiche Arbeit der Initiative FAIRKEHR zurückzuführen, bei der Stadt, Polizei und Verkehrswacht verantwortlich und nachhaltig zusammenarbeiteten.

 

Ein großes Problem sei „der massive Drogenhandel in Krefeld, der hinter verschlossenen Türen“ stattfinde. Es werde „immer nur über den Theaterplatz geredet, doch der eigentliche Handel“ vollziehe sich „in Wohnungen und Gewerberäumen“, sagte Rainer Furth. Eine Herausforderung sei darüber hinaus das Thema „häusliche Gewalt“. Ferner gebe es eine Verlagerung von Straftaten in den Bereich der „Cyberkriminalität“, so der Polizeipräsident, der von Kriminalhauptkommissarin Karin Kretzer begleitet wurde.

 

Als „aufschlussreich“ bezeichnete Kreisparteichef Marc Blondin die Mitteilung des Polizeipräsidenten, dass der Anteil der Nicht-Deutschen unter den einer Straftat Verdächtigten auf zuletzt rund 32 Prozent angestiegen sei, obwohl der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung in Krefeld nur bei rund 14 Prozent liege. Verantwortlich hierfür seien jedoch nicht „die Flüchtlinge, sondern Personen, die im Rahmen der EU-Freizügigkeit nach und durch Deutschland“ reisten. Landtagskandidatin Britta Oellers betonte, neben den „harten Fakten“ müsse man „auch ein Gespür für das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung entwickeln“. Viele Menschen fühlten sich „unsicher“, auch wenn man sich „über Erfolgszahlen der Krefelder Polizei natürlich sehr“ freue.

 

Im Bild (v.l.n.r.):  Polizeipräsident Rainer Furth, Kriminalhauptkommissarin Karin Kretzer und unsere Landtagskandidaten Britta Oellers und Marc Blondin.

 

 

 

30.11.2016