Krefelder Dialog der CDU zum Thema "VHS - Bildung in öffentlicher Verantwortung"

„VHS – Bildung in öffentlicher Verantwortung – Situation, Herausforderungen und Perspektiven“ war das Thema des Krefelder Dialogs der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Krefeld, zu dem der Verbandsdirektor des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV), Ulrich Aengenvoort (Foto), interessierten Mitgliedern und Gästen der Unionsfraktion – darunter der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld, Dirk Strangfeld, die Direktorin der VHS Krefeld, Dr. Inge Röhnelt, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Krefelder Bürgervereine, Manfred Grünwald, und dessen Amtsvorgänger Hans-Jürgen Herzog – im Muche-Saal der Volkshochschule Krefeld (VHS) Rede und Antwort stand.

 

Ein wichtiges Thema für die deutschen Volkshochschulen sei er digitale Wandel, der keine Sache weniger Eingeweihter sein dürfe. Deshalb gelte die Devise „Digitale Teilhabe für alle“. Die bundesweit rund 900 Volkshochschulen wollen digitales Know-how verbreiten und möglichst vielen Menschen zugänglich machen, erklärte DVV-Direktor Ulrich Aengenvoort. Die Volkshochschulen setzten insbesondere auf „Blended Learning“, auf eine optimale Kombination aus bewährtem Lernen im persönlichen Kontakt und dem Einsatz digitaler Instrumente und Formate. So ergänze das Lernportal „Ich-will-lernen.de“ des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) schon seit einigen Jahren erfolgreich das Kursangebot im Bereich Grundbildung und zum Nachholen von Schulabschlüssen. Mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung betreibe der DVV auch das Lernportal „Ich will Deutsch lernen“ (iwdl) sowie die SprachApp „Einstieg Deutsch“. Portal und App erlebten insbesondere in der Sprachförderung von Geflüchteten gerade einen enormen Bedeutungszuwachs.

 

„Die Digitalisierung wird die Rolle der Volkshochschulen stärken“, so ein wichtiges Fazit des DVV-Verbandsdirektors. Mit den Veränderungen in der Arbeitswelt  steige der Bedarf an Weiterbildung, auch überfachlich. Dabei gehe es nicht allein um beruflich verwertbares Wissen, sondern auch um grundlegende Kompetenzen. IT-Kompetenz sei ebenso gefragt wie persönliche Veränderungsbereitschaft und die Fähigkeit zum Selbstmanagement.

 

Ein zweites wichtiges Thema für die deutschen Volkshochschulen sei die Mitwirkung bei der Integration von Flüchtlingen, die dauerhaft in Deutschland bleiben wollen und können, unterstrich der Referent. Deutschland stehe inmitten einer historischen Kraftanstrengung und Chance. Hunderttausende Flüchtlinge, von denen viele länger in Deutschland bleiben werden, müssten und wollten sich schnellstmöglich in ihr neues Lebensumfeld und in das Arbeitsleben integrieren.  Frühzeitige Integration liege gleichermaßen im Interesse der Flüchtlinge und der einheimischen Bevölkerung. Die Flüchtlinge wollten schnell an Gesellschaft und Arbeit teilhaben, die Einheimischen erweiterten im Kontakt mit Flüchtlingen ihre interkulturellen Kompetenzen und ihr Wissen um weltpolitische Entwicklungen. Deutschland könne erheblich von frühzeitigen Integrationsmaßnahmen profitieren, „weil sie einen Beitrag zur Bewältigung des Fachkräftemangels und zu einer ausgewogenen demografischen Entwicklung leisten und die Sozialsysteme stärken“.

 

Ein wichtiger Erfolgsfaktor für Integration sind orts- und zeitnahe Orientierungs- und Bildungsangebote. Sie schafften die Grundlage für ein freies, eigenverantwortliches Handeln im persönlichen, gesellschaftlichen und beruflichen Umfeld.

 

DVV-Direktor Ulrich Aengenvoort: „Volkshochschulen sind die kommunalen Zentren für interkulturelles Lernen und stehen für ganzheitliche Bildungsarbeit, die sich an Menschen jeder Herkunft richtet. Sie stellen sich der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderung in besonderer Weise. Mit ihren Bildungsangeboten im Bereich Sprache und Integration haben sie in den vergangenen Monaten zehntausenden Menschen eine wertschätzende Aufnahme bereitet.“

 

Allerdings kämen Volkshochschulen und ihre Kommunen zunehmend an Kapazitätsgrenzen, stellte der DVV-Verbandsdirektor fest und fügte hinzu: „Sie können die kontinuierlich steigende Nachfrage nach Bildungs- und Integrationsangeboten nicht mehr bewältigen und benötigen dringend zusätzliche Förderung von Bund und Ländern zum Ausbau von Angeboten und Strukturen.“

 

Aus der örtlichen Sicht unterstrich Ratsfrau Ingeborg Müllers die Bedeutung und den Wert der Volkshochschulen: "Die Volkshochschulen sind mehr denn je 'Umschlagplatz' für die Bewältigung der drängenden gesamtgesellschaftlichen Themen. Sie sind moderne kommunale Bildungszentren und sind ganz nah an den Menschen, für die sie ein Ort der Bildung, Kommunikation und Vernetzung sind." Dennoch bilde sich die tatsächliche Bedeutung der Volkshochschulen nicht in den derzeitigen politischen Gestaltungsprozessen ab. Bei der Verteilung der Ressourcen sei es noch nicht ausreichend gelungen, dass die organisatorischen und insbesondere personellen Rahmenbedingungen in einem halbwegs gesunden Verhältnis zu den von den staatlichen Fördermittelgebern übertragenen Aufgaben stehen. Ingeborg Müllers: "Hierfür müssen wir uns in den nächsten Monaten und Jahren klar und selbstbewusst unsere Erwartungen an Bund und Land formulieren und durchsetzen."

 

 

Zur Information: Der Deutsche Volkshochschul-Verband ist die bildungs- und verbandspolitische Vertretung der Volkshochschulen und der VHS-Landesverbände auf Bundes- und europäischer Ebene. Hinter ihm stehen mehr als 900 Volkshochschulen in Deutschland, die u.a. rund 40 Prozent der deutschlandweit stattfindenden Integrationskurse anbieten.

 

Der im Rahmen des Krefelder Dialogs gezeigten Präsentation, die als Anhang beigefügt ist, sind weitere Informationen zu entnehmen.

 

(CDU-Dokument)

18.08.2016