Alle an einen Tisch: Landwirte, Naturschützer, Bürger

 

„Uns Landwirten geht es darum, Kooperation statt Konfrontation zu erreichen. Ich möchte alle Betroffenen an einen Tisch holen und gucken, wie es gehen kann“, schilderte Landwirt Thomas Vennekel ein Ziel seiner Arbeit in Richtung Öffentlichkeit. Vennekel führte am Sonntagvormittag knapp 50 Teilnehmer an der Sommer-Radtour der CDU Hüls mit OB-Kandidat Peter Vermeulen. In knapp zwei Stunden ging es von der Kirche St. Cyriakus über den Gemeinschaftsbetrieb von Thomas Vennekel und Georg Dahlhoff an der Krüserstraße sowie mehrere Stationen auf der Kempener Platte bis zum „Café Kornblume“.
Thema der Tour waren „Landwirtschaft und Naturschutz“. Am Ausgangspunkt in Hüls erklärte Vennekel, dass dort eine unsichtbare landwirtschaftliche Grenze verlaufe – zwischen den guten Bodenqualitäten in Richtung Kempen und Tönisvorst und den schlechteren Böden in Richtung Rhein. Der Lössboden auf der Kempener Platte werde mit 85 Punkten bewertet und biete verschiedenste Anbaumöglichkeiten: Gemüse (Kohl, Kartoffeln, Salate…), Obst (Erdbeeren, Äpfel,…) bis zu Kürbis, Mais und Getreide.

Während der Tour zeigte er, warum die Landwirte etwa Teile ihrer Flächen nicht für den Anbau nutzen, sondern als Blühstreifen oder Waldbereiche für den Naturschutz freihielten. Die Blühstreifen bringen mehrere Vorteile: „Die Imker erhalten Flächen für ihre Bienenstöcke, Hasen, Igel, Bodenbrüter oder Rehe sind vor den Mähmaschinen geschützt. Außerdem locken die Streifen Insekten aus den Kulturen. Dabei arbeiten wir alle zusammen“, so Vennekel. Allerdings bleibe es besser den Landwirten überlassen, welche Flächen sie für die Maßnahmen auswählten, damit sie in den landwirtschaftlichen Produktionsprozess passen. Er und Dahlhoff haben auf ihrem Betrieb 25 dieser Ausgleichsflächen angelegt – als Blühstreifen, Ackerbrache, extensives Grünland oder Streuobstwiese.
Er ging auch auf die manchmal nicht konfliktfreien Beziehungen zur nicht-landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung ein. Für die Landwirte gebe es – abhängig vom jeweiligen Produkt – nur einmal im Jahr die Möglichkeit, Umsatz zu erzielen, und Erntephasen, die eben auch Geräusch bedingen, würden vom Wetter bestimmt und nicht verschiebbar. Außerdem führte er die Radler zu einer großen Kühlhalle, die er gezielt mitten auf den Feldern gebaut hat: Die Photovoltaik-Anlage bringt umweltfreundlichen Strom, die Entfernung zur Wohnbebauung verhindert Lärmbelästigung durch die Kühlanlage – und die ist notwendig, weil die Kühlung von Kartoffeln oder Kohl eine Forderung der verarbeitenden Industrie sei, so Vennekel: „Wir ernten den Weißkohl bei 30 Grad auf dem Feld, dann muss er sofort auf 5 bis 8 Grad heruntergekühlt werden und kann nur so an die Krautfabrik geliefert werden.“

Beim Abschlussgespräch im Café Kornblume – früher ein Hof-Gebäude – schilderte Peter Vermeulen seine Maßnahmen als Umweltdezernent der Großstadt Mülheim an der Ruhr: Dort gibt es nur noch drei Vollerwerbs-Landwirte. Landwirtschaftlich genutzte Flächen seien u.a. als Gewerbeflächen begehrt, aber die Kommune achte darauf, dass pro neuer versiegelter Fläche die gleiche Flächengröße an anderer Stelle entsiegelt werde – und darauf, wie Alt-Gewerbeflächen weiter genutzt werden, statt leer zu stehen. Eine Verwaltung müsse auch die Umnutzung früherer Hofgebäude sorgfältig bearbeiten, so Vermeulen: Die seien zwar als Wohn- und Lebensräume mit besonderem Ambiente sehr begehrt, aber die Anforderungen der Feldarbeit ringsum müssten abgewogen werden.

Im Bild: Landwirt Thomas Vennekel (links) erklärte den Teilnehmern an der Sommertour der CDU Hüls mit OB-Kandidat Peter Vermeulen (Mitte) unter anderem, warum die Landwirte kleinere Waldbereiche und Blühstreifen für den Naturschutz freihalten.

10.08.2015